Ilse Szolderits

Bewegungstrainerin, Kräuterpädagogin, Natur- und Landschaftsführerin

 

"Die Freude an der Bewegung sollte früh gefördert werden"


Seit wann sind Sie selbständig und was war Ihre Motivation?

Ich bin keinen ganz klassischen Gründerinnenweg gegangen, sondern habe im Jahr 2005 den Verein Lebens-Spiel gegründet. In meinem gelernten Beruf - Lehrerin für Werkerziehung und Hauswirtschaft – war ich nur ein Jahr tätig. Danach arbeitete ich lange in einer EDV-Firma. Als die Firma in Konkurs ging, ergab sich 2004 für mich die Möglichkeit, als Trainerin für Kinder-Turnen und Eltern-Kind-Turnen einzusteigen. Das kam meinem Wunsch nach Selbständigkeit und Entscheidungsfreiheit sehr entgegen. Im Rahmen des Gründerinnenprogrammes konnte ich mir nicht nur die wichtigen Grundlagen für diesen Schritt erwerben, darüber hinaus absolvierte ich auch eine Trainerausbildung für die Erwachsenenbildung am WIFI. Schließlich legte ich noch Prüfungen als Übungsleiterin für Kinderturnen, als Fit-Lehrwartin und zuletzt als Kinder-Bewegungscoach ab.

Da ich schon immer einen Beruf wollte, der mir viel Zeit für meine Kinder ließ, erwies sich diese berufliche Neuorientierung als ideal.

 

Was genau bieten Sie an?

Über den Verein biete ich Kinderturnen und Eltern-Kind-Turnen in den Bezirken Eisenstadt und Mattersburg an. In die Einheiten werden Bewegungslieder, motopädagogische Elemente, Training der koordinativen Fähigkeiten und des Gleichgewichtes ebenso eingebunden wie das Turnen und „Spielen“ auf Großgeräten. Die Kinder lernen Bewegungsabläufe in ihrem eigenen Tempo – da stärkt ihre Freude am Üben. Für kleine Kinder ist ein großer Turnsaal ein Riesenspielplatz. Wer einmal ein Kleinkind gesehen hat, das begeistert quer durch einen großen Turnsaal läuft, bemerkt erst, wie eingeschränkt der Bewegungsradius unserer Kinder heute häufig ist. Sie genießen die Weite des Raumes in der dort gegebenen Sicherheit.

Zielgruppen sind ein- bis sechsjährige Kinder mit Eltern und fünf- bis zehnjährige Kinder ohne Eltern. Geschwister unter sechs Jahren turnen gemeinsam, weil sich das auch für die Eltern als vorteilhaft erwiesen hat. In die Eltern-Kind-Kurse kommen vielfach auch Väter, was viele Kinder sehr genießen.

2007 habe ich die Ausbildung zur Kräuterpädagogin und 2009 zur Natur- und Landschaftsführerin absolviert. Seither bin ich auch als Referentin am LFI Eisenstadt mit einzelnen Kurstagen tätig. Zusätzlich biete ich Kräuterwanderungen und Naturführungen (derzeit mit dem Schwerpunkt Vogelkunde) an.

 

Wie meistern Sie Stolpersteine? Was hilft Ihnen?

Die  Nachfrage nach den Turnkursen war von Anfang an recht gut. Ich hatte gehört, dass man auf dem Weg in die Selbständigkeit damit rechnen muss, dass es etwa zwei Jahre dauert, bis man bekannt ist. Das kann ich prinzipiell bestätigen. Denn nach zwei Jahren bekam ich tatsächlich so viele Anfragen, dass mich der Verein als Trainerin angestellt hat. Nachträglich bin ich sehr froh, dass ich Zeit hatte, mich langsam in diese Tätigkeit einzuarbeiten. Regelmäßige Weiterbildungen und der Austausch mit anderen Trainerinnen sind für mich besonders wichtig.

Bei ausgedehnten Spaziergängen entstehen viele gute Ideen. Gespräche mit Kolleginnen motivieren immer wieder zu neuen Aktivitäten.

 

Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Ich organisiere gerne, arbeite gerne mit anderen zusammen und sehe mich als Netzwerkerin. Durch meinen großen Bekanntenkreis gelingt es mir immer wieder, die „richtigen Leute zusammen zu bringen“. Eine Bekannte hat mich einmal „Vermittlungskünstlerin“ genannt.

Ich kann gut motivieren und habe ein gutes Gespür dafür, was Kinder gerade brauchen. Immer wieder trauen sich Kinder neue Übungen nicht zu. Mit meiner Unterstützung versuchen sie es doch und sind danach ganz begeistert, wenn sie wieder etwas geschafft haben. Mich freut es besonders, wenn ich Eltern Informationen geben kann und diese dann von ihnen angenommen werden. Mütter sind oft so besorgt um ihre Kinder, dass es ihnen schwer fällt, sie im wahrsten Sinne des Wortes „los zu lassen“. Aber nur „etwas alleine schaffen“ erzeugt Selbstvertrauen. Viele Eltern haben heute ein größeres Wissen über Kindererziehung als früher. Trotzdem führt die Vielfalt an Informationen und Erziehungsansätzen auch zu mehr Unsicherheiten. Ich sehe, wie wichtig es ist, Kindern so früh wie möglich die Freude an der Bewegung zu vermitteln. Je früher die Kinder gefördert werden, umso mehr kann man bewirken. Sport und Bewegung von klein auf garantiert hohe Lebensqualität bis ins hohe Alter.

Ich gehe gerne zu Weiterbildungen. Damit bin ich immer am aktuellen Stand der Wissenschaft.

Bei den Natur-Erlebnisführungen, die ich mit Erwachsenen und Kindern mache, denke ich, dass es mein Zugang zur Natur ist, und die Art, wie ich vermittle. Da greife ich auf meine Ausbildungen als Lehrerin und Trainerin zurück.

 

Was sind Ihre Perspektiven für die Zukunft?

Ein paar Jahre werde ich sicher noch sehr gerne mit den vielen Kinder-Turnkursen weitermachen. Parallel dazu möchte ich aber gute NachfolgerInnen aufbauen, die die Kurse dann weiter führen können, denn in vielen Gemeinden wird nichts Adäquates mit gut qualifizierten Trainern angeboten. Oder es wird zu wenig auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen, sodass die Angebote schlecht angenommen werden.

Inzwischen habe ich einen zweiten Verein „Eltern-Kind–Gemeinsam fit“ in Eisenstadt gegründet. Ich selbst möchte später verstärkt Natur- und Landschaftsführungen machen. Je mehr Jahre ich im Turnsaal stehe, desto wichtiger wird mir die Bewegung und Erholung in der Natur.

Ein Traum ist noch der „Turnsaal Natur“, wo Kinder - wie früher – im Freien und nicht an Turngeräten trainieren und ihre Bewegungserfahrungen machen können - und dabei ganz nebenbei viel über die Natur lernen.


Name: Ilse Szolderits
Unternehmensname: Verein Lebens-Spiel
Adresse: Wulkarain 1, 7041 Antau
Mobil: +43 699 81 41 69 35
E-Mail: info@lebens-spiel.org
Internet: www.mit-ilse.at